Ein binationales Ereignis am 23.9.2015 im Dom Kultury / Zgorzelec, das natürlich vom Vorstand wahrgenommen worden ist. Die hochkarätigen Vertreter der Politik und Wirtschaft Polens, Sachsens und der Bundesrepublik (Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium Frau Ilona Antoniszyn Klik, Aussenminister Grzegorz Schetyna, Botschafter in Berlin Jerzy Marganski, Ministerpräsident Stanislav
Tillich, Ministerialdirektorin im BWM Frau Claudia Dörr, Dr. Güter Brunsch IHK Dresden, Michael Kern AHK Warschau , unsere Modellstadt – Oberhäupter Rafal Gronicz und Siegfried Deinege und weitere bedeutende Persönlichkeiten) brachten zum Ausdruck, dass nach wie vor bedeutende Chancen für eine wirtschaftliche Entwicklung jenseits und diesseits der Neiße bestehen. Aus der Sicht des
Ministerpräsidenten Tillich hätten die Regionen Lausitz, Niederschlesien und Böhmen das Potential wieder eine Herzkammer der europäischen Wirtschaft zu werden. Die in den letzten Jahren errichteten Sonderwirtschaftszonen hätten Erfolgsgeschichte geschrieben. In den anschließenden Workshops wurden vereinzelte Themen wie z.B. die Darstellung der wechselseitigen wirtschaftlichen Entwicklung
(Herr Kern) oder persönliche Erfahrungen bei deutsch-polnischen Kooperationen behandelt.

Was aber nicht thematisiert wurde, und was nach Ansicht des Berichterstatters von wesentlicher Bedeutung für die Grenzregion sein wird, sind die sich abzeichnenden Folgen der Einführung des Mindestlohngesetzes in der Bundesrepublik Deutschland:

Seit dem 1.1.2015 liegt der Mindestlohn auf deutscher Seite bekanntlich bei 8,50 € / Stunde. In Polen beläuft er sich nach wie vor auf umgerechnet ca. 1,60 € / Stunde. Tatsächlich wird von den in den Sonderwirtschaftszonen ansässigen deutschen und anderweitigen europäischen Unternehmen an qualifizierte Facharbeiter ein Lohn von 2000 bis 3000 Zloty gezahlt; d.h. ein Stundenlohn von 3 bis 4,50 €. Nun ist bereits der Wettkampf um qualifizierte Fachkräfte entbrannt. Die europäischen Investoren stellen auf polnischer Seite fest, dass mehr und mehr polnische Mitarbeiter auf Jobsuche in der deutschen Grenzregion sind, können sie doch ihren Wohnsitz auf der polnischen Seite beibehalten, eine überschaubare Fahrtstrecke täglich in Kauf nehmen, jedoch ihr Einkommen verdoppeln, wenn nicht verdreifachen. Eine aktuelle Tendenz, die nicht zuletzt wegen der Ansiedlung des Alufelgenherstellers Borbet in Kodersdorf , an Dynamik gewinnt. Borbet stellt 400 Mitarbeiter und später mehr ein. Dies ist eine Situation, die m.E. andere Unternehmen zur Ansiedlung in der Lausitz bewegen könnte, weil neben dem vergleichsweisen geringen Lohn ein signifikanter Fachkräftepool im Gebiet bis zu 50 km östlich der deutsch-polnischen Kräfte zu verzeichnen ist. Fraglich ist, wie die Unternehmen in der Sonderwirtschaftszonen reagieren werden. Werden sie die Löhne angleichen und wird sich dann wegen der vergleichsweise geringeren Produktivität der Standort noch rechnen? Jedenfalls werden weitere Ansiedlungen in den Sonderwirtschaftszonen deutlich schwieriger werden.

Eine interessante Entwicklung, die so oder so zu einer Belebung unseres regionalen Wirtschaftsraumes führen wird.

Christian Reichardt
Stellv. Vorsitzender