Von Sebastian Beutler

Wenn sich am Sonntag die Unternehmer aus der Region zum Neujahrsbrunch in der Kulturbrauerei treffen, dann werden manche ihre Firma wiedersehen. Denn sie sehen zu diesem Anlass erstmals einen Film, der in den vergangenen Wochen in verschiedenen Unternehmen entstand: In der Bäckerei von Michael Tschirch, in der Landskron Brauerei, bei Maxroi und Siemens, bei der Seilerei Goltz. Und immer stellt Produzent Axel Krüger mit seinem Team erfahrene Mitarbeiter neben junge. Das ist auch Anliegen dieses Filmes, der im Rahmen des Bundesprogramms „50plus“ entstand. Der Film zielt mitten auf ein Kernanliegen der Unternehmer: Wie gewinnen wir neue Mitarbeiter künftig, und wie können wir erfahrene Arbeitnehmer bewegen, länger zu arbeiten. An der Jahresschwelle zu 2014 werden erstmals mehr Leute in Görlitz in Rente gehen als eine Ausbildung beginnen. Das Durchschnittsalter in den Firmen beträgt 47 Jahre, in manchen sogar über 50. Für den Vorsitzenden des Allgemeinen Unternehmerverbandes Görlitz, Heiko Kammler, entscheiden die Antworten auf diese Fragen über den Erfolg der Wirtschaft. Schon jetzt können Lehrstellen oder freie Stellen nicht immer gleich besetzt werden. Er selbst könnte in seinem Unternehmen, der Infotech GmbH, gleich vier Mitarbeiter einstellen. Von anderen Betrieben hört er Ähnliches. Für Kammler ergibt sich daraus ein positives Bild. „Wir haben gerade bei den Dienstleistungen, in der Produktion oder im Handwerk ein gutes Jahr hinter uns“, sagt er. Gleichwohl gibt es Unterschiede. Während Bombardier ein Jahr der Kurzarbeit hinter sich hat, muss derzeit Siemens seinen Weg durch die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise finden. Zugleich suchen aber die Technologie- und Software-Unternehmen stetig neue Mitarbeiter.

Deswegen begrüßt Kammler alle Initiativen, um junge Menschen nach Görlitz zu holen, die Stadt zu einer bekannten Marke zu machen, die attraktiv und anziehend wirkt. „Deineges Akzent, eine familienfreundliche Politik zu machen, ist dabei vollkommen richtig“, sagt Kammler. „Wir brauchen Leistungsträger in der Stadt. Menschen, die eine Familie haben.“ Die Unternehmer sehen dabei viele positive Ansätze: die gute Lage bei der Kinderbetreuung, die Sanierung von Schulen, die Anstrengungen, Jugendliche in Ausbildung zu bringen, das hohe kulturelle Angebot in einer unglaublich schönen Landschaft. Doch haben die Unternehmer auch klare Forderungen an die Politik. Die Stadt sollte über
eine Senkung der Grund- und Gewerbesteuer nachdenken. „Durch die Entlastung könnten die Unternehmer in neue Jobs investieren“, sagt Kammler. Den Freistaat fordert er auf, mehr in die Infrastruktur zu investieren: Schnelles Internet, Straßen wie die Südwestumfahrung und
die Verbindungen nach Berlin oder die Bahnstrecken sind da die Schlagwörter. Und alle in Görlitz müssen eine neue Willkommenskultur an den Tag legen. Damit sich junge Menschen mit ihren Ideen und Vorstellungen in Görlitz wohl und akzeptiert fühlen.

Quelle: Sächsische Zeitung, 12.01.2013